Üben für den Ernstfall

„Team 2 für Heimbasis“ knarzt es durch das Funkgerät an Christian Duchenes Gürtel, während er mit drei weiteren Mitgliedern einen Verstorbenen zwischen Trümmern irgendwo in einem Erdbebengebiet, tief in Asien zu bergen versucht. In Wirklichkeit ist „irgendwo tief in Asien“ der Truppenübungsplatz Klietz in Sachsen Anhalt, der Verstorbene ist ein durchaus noch recht lebendiger Darsteller von der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr und das Szenario, dass die ehrenamtlichen Helfer in Ihren blauen Uniformen durchspielen eine Übung.

Was genau wird Gegenstand einer solchen Übung des weltweit einzigartigen humanitären Vereins „Death Care Embalmingteam Germany“ sein, hatten sich nicht wenige der 27 aktiven Mitglieder die an diesem spätsommerlichen Wochenende dem Aufruf des Vorstandes gefolgt waren gefragt. Viele von ihnen sind noch nie in einem Einsatz dabei gewesen und so hören Sie aufmerksam zu, als Johan Homburg und Markus Maichle von ihren Erfahrungen mit Death Care in Thailand, Taiwan oder der Türkei berichten.

Aber auch für die Beiden ist eine Übung wie diese in Art und Umfang Neuland. Waren die frühen Einsätze des damals noch jungen Vereins fast schon spontan und irgendwie auch immer ein Stück weit improvisiert gewesen, hat in den letzten Jahren ein Professionalisierungsprozess eingesetzt, der sich nun auch in der Planung und Umsetzung dieses gestellten Einsatzes erkennen lässt. Mit verschiedenen anderen Hilfsorganisationen ist in den vergangenen Monaten gesprochen worden, Abläufe wurden optimiert, zahlreiche Materialien neu beschafft. Nun geht es darum die Planung in die Praxis umzusetzen.

In Gruppen eingeteilt beginnt das Team mit der Errichtung des Lagers, mit Unterkunftszelt, Leitstand und dem Versorgungszelt, dass dafür ausgestattet ist, Verstorbene hier für die Überführung vorzubereiten, lokale Behörden bei der Identifikation Verstorbener zu unterstützen, verunfallte Verstorbene kosmetisch zu rekonstruieren und einzubalsamieren. In den folgenden Tagen werden Bergesituationen dargestellt, Materialien und Transportbehältnisse überprüft und inventarisiert, die Verpflegung des Teams mit mitgebrachter Instand Nahrung auf die Probe gestellt und am Lagerfeuer Vorträge zu verschiedenen Fachthemen gehalten. So werden international normierte Formblätter zur Verstorbenenidentifikation vorgestellt und Vereinsmitglied  und Arzt Richard Klatt berichtet über Erste Hilfe Maßnahmen und notwendige Impfungen.

Neben dem Fachlichen Austausch ist es vor allem die Gelegenheit zum besseren Kennenlernen die zählt. Der abendliche Plausch am Feuer und die Übernachtung in einem 24 Mann Zelt schweißen zusammen und lassen die aus ganz Deutschland aber auch aus dem Nachbarland Holland angereisten Thanatopraktiker zu einem echten Team werden. Dabei kennen sich viele im Vorfeld nicht und sind mit ganz unterschiedlichen Vorkenntnissen hergekommen. Wenige waren bereits mit Death Care im Einsatz, Einige bringen Erfahrungen aus anderen Einrichtungen wie dem Rettungsdienst, der Polizei oder der Bundeswehr mit, die sie hier gerne einbringen und ihr Wissen mit den Kollegen teilen.

Am Ende des Einsatzes haben alle an Sicherheit gewonnen. Sicherheit in den praktischen Aufgaben aber auch Sicherheit darin, dass ein Einsatz jederzeit möglich und umsetzbar ist. Vor allem aber, haben alle Sicherheit darin gewonnen, dass sie einem super Team angehören, das sich freundschaftlich verbunden ist und in dem man sich aufeinander verlassen kann.